Cybermobbing – Schikane im Netz: Erkennen, vorbeugen und erfolgreich zur Wehr setzen

"Du bist das hässlichste Mädchen, das ich kenne", "Wasch dich besser" – Diese Einträge auf der virtuellen Pinnwand eines Schüler-Onlineportals gehören noch zu den harmlosen Kommentaren und haben nur ein Ziel: andere zu beleidigen. Was Opfer von Cybermobbing durchmachen müssen, können sich Außenstehende nur schwer vorstellen. Die Betroffenen klagen über Wut, Verletzung, Enttäuschung und Angst. Vor allem Kinder und Jugendliche wissen nicht, wie sie sich gegen die Schikanen, die oft anonym in den sozialen Netzwerken stattfinden, zur Wehr setzen können. Dr. Catarina Katzer, eine der führendsten Cybermobbing-Forscherin Europas, zeigt in einem Interview die Hintergründe und Schutzmaßnahmen auf.

Warum finden Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen zunehmend im Internet statt?

Die hohe Anzahl virtueller Kommunikationsräume wie Internet-Chatrooms, Online-Foren, Blogs, soziale Netzwerke oder Twitter bieten eine große Zahl potenzieller Tatorte, die schnell und unerkannt erreicht werden. Hinzu kommt, dass der Aufwand und die Hemmschwelle, andere zu schädigen, im Netz viel geringer sind als in einer face to face-Situation auf dem Schulhof. Über 40 Prozent der 10- bis 18-Jährigen in Deutschland haben Cybermobbing bereits erlebt!

Welche Formen des Mobbings treten am häufigsten auf?

Ganz oben auf der Liste des Cybermobbings stehen Beleidigungen und Beschimpfungen. Allerdings kommt es auch zu subtileren Formen wie zum Beispiel zu übler Nachrede beziehungsweise der Verbreitung von Gerüchten, Ausgrenzungen, massiven Bedrohungen oder Erpressungsversuchen. Ein besonders krasser Fall hat sich in Österreich ereignet. Dort warf sich ein 13-jähriger Junge vor einen Zug, weil er über Monate in Facebook verhöhnt und mit homosexuellen Inhalten übelster Art in Verbindung gebracht wurde.

Gibt es bestimmte Opfertypen, die im Internet schikaniert werden?

Vom Grundsatz kann es im Internet jeden treffen. In Studien zeigt sich allerdings, dass der Großteil der Opfer von Cybermobbing auch Opfer von Schulmobbing ist. Bei den Betroffenen handelt es sich größtenteils um unbeliebte Außenseiter mit einem geringen Selbstwertgefühl und einem häufig überbeschützenden Verhalten der Eltern. Des Weiteren bringen sich Opfer von Cybermobbing oftmals selbst in Situationen, die Viktimisierungen begünstigen. Zum Beispiel durch das Aufsuchen von rechtsradikalen Chaträumen, die zu Aggression und Gewalt regelrecht auffordern.

Wie bemerken Eltern, dass ihr Kind Opfer von Cybermobbing ist? Und wie sollten sie darauf reagieren?

Es ist überaus wichtig, dass Eltern ein starkes Vertrauensverhältnis zu ihren Kindern aufbauen. Eltern sollten sich für das, was ihre Kinder im Netz tun, interessieren und mit ihnen über Gefahren und Risiken sprechen. Auch sollten sie das Verhalten ihrer Kinder genau beobachten: verändert sich mein Kind – auch äußerlich –, schläft es nicht gut, isst es schlecht oder extrem viel, will es auf einmal nicht mehr in die Schule gehen, weicht es aus bei Fragen zum Thema SchülerVZ, Facebook oder Freundschaften; macht es den PC aus, wenn man ins Zimmer kommt – all das können Hinweise sein, dass irgendetwas nicht stimmt.

Kann man Cybermobbing aus dem Weg gehen?

Cybermobbing können wir nicht aus dem Internet verbannen, aber wir können Anleitungen geben, wie man sich in einem solchen Fall verhalten sollte. Dazu gehört zum Beispiel das Kopieren der Ereignisse als Beweismittel sowie die Benachrichtigung des Anbieters und der Schule. Im Bereich Prävention stehen die allgemeine Förderung und Schulung der Medienkompetenz von Eltern, Lehrern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Dabei sollte die Medienerziehung bereits im Kindergarten beginnen und in der Schule einen besonderen Stellenwert bekommen. Diesbezüglich wäre auch eine stärkere Einbindung der Internetkommunikation in den Unterricht wünschenswert.

Was müssten Politik und Gesellschaft unternehmen, um die Opfer besser zu schützen?

Die Bildungspolitik ist gefordert, neue Rahmenbedingungen für die Ausbildungs- und Erziehungssituation zu schaffen. Dies betrifft vor allem die Verbesserung der Medienkompetenz der Bildungsakteure wie Lehrer, Erzieher und Eltern. Des Weiteren ist an eine Zertifizierung der Online-Angebote zu denken, zum Beispiel durch ein staatliches Siegel oder auch an eine Gewerbeanmeldung für Online-Anbieter. Zu guter Letzt betrifft das politische Handeln auch den Bereich der Justiz. Der Cyberspace ist als neuer Tatort zu betrachten, der spezielle Gesetzgebungen erfordert.

Webdienste bieten die Möglichkeit, den Mobber zu blockieren. Darüber hinaus beinhalten Microsoft-Programme wie zum Beispiel Windows 7 wichtige Sicherheitswerkzeuge. Warum sind diese Schutzmechanismen eine sinnvolle Hilfe und werden sie aktiv von den Usern eingesetzt?

Untersuchungen zu der Nutzung von diesen Blogmechanismen sind unter Jugendlichen keine bekannt. Ein Problem ist, dass ein Cybermobber immer wieder unter einer anderen Identität in das entsprechende Forum gelangen kann. Eine vollständige Filterung von Cybermobbern ist daher nicht möglich. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Nutzer in ihrem Forum deutlich machen, dass Mobbing keine Chance hat und Regeln aufstellen, denen man zu folgen hat. Natürlich hält das nicht unbedingt alle Cybermobber ab, aber je mehr Personen sich öffentlich gegen solches Verhalten aussprechen, desto eher werden Cybermobber ein solches Forum verlassen. Trotzdem ist es nützlich, technische Schutzmechanismen einzusetzen, auch wenn man nicht alles verhindern kann, man macht es den Cybermobbern etwas schwerer – und das zählt!


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